» Dupuytren’sche Erkrankung

Dupuytren’sche Erkrankung


Was ist eine Dupuytren’sche Erkrankung ?
Hierunter versteht man eine Wucherung des Fasciengewebes unter der Haut der Handfläche und der Finger. Zwischen der Handhaut einerseits und den Beugesehnen und Nerven der Hand andererseits liegt eine strangförmige Gewebeschicht. Sie wird Palmaraponeurose genannt.

Palmaraponeurose
Beim festen Zugreifen oder beim Sturz auf die Hand schützt dieses Gewebe die darunter liegenden empfindlichen Sehnen und Nerven. Bei Morbus Dupuytren verändert sich jedoch dieses Gewebe: Es wird strangförmig und dicker; es bildet Knoten und vor allen Dingen verkürzt es sich: Hierdurch werden langsam aber sicher die Finger immer mehr gekrümmt.

Ist die Dupuytren’sche Kontraktur häufig?
Ja! Man schätzt, dass in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen sind. Hierbei sind Männer etwa 8-mal so oft betroffen wie Frauen .

Wie wird die Krankheit erkannt?
Für den erfahren Arzt kann die Krankheit meist sehr einfach durch einfaches Betrachten und Betasten der Hand erkannt werden.
Im typischen Fall sieht und tastet man Knoten und Stränge in der Hohlhand, die oft auch in die Finger hinreichen und diese einkrümmen.

Was ist die Ursache der Dupuytren’schen Kontraktur ?
Eine genaue Ursache der Erkrankung ist noch unbekannt. Sicher ist jedoch, dass die Vererbung eine sehr wichtige Rolle spielt. Bei jedem 3. Betroffenen ist ein Familienangehöriger von der gleichen Erkrankung betroffen.

Steht die Dupuytren’sche Erkrankung in Zusammenhang mit einer anderen Krankheit?
Eine Häufung der Dupuytren´schen Krankheit findet man bei: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Epilepsie, Alkoholmissbrauch (einem von der Dupuytren´schen Krankheit Betroffenen tut man großes Unrecht, wenn man ihm einen Alkoholmissbrauch unterstellt!) Wie oben betont, liegt als wesentliche Ursache eine genetische (erbliche) Belastung vor.

Kann die Dupuytren’sche Erkrankung durch eine Verletzung verursacht werden?
Bei einer genetisch (erblich) belasteten Person kann eine offene Verletzung der beugeseitigen Hand oder auch ein Bruch eines Unterarm- oder Handknochens die Entwicklung einer Dupuytren`schen Kontraktur beschleunigen.

Was bedeutet der Name: Morbus Dupuytren?
Die Erkrankung wurde nach dem französischen Arzt Guillaume Dupuytren benannt. Guillaume Dupuytren hat sich im vergangenen Jahrhundert um die Erforschung dieser Krankheit besonders verdient gemacht. Es war u. a. Dupuytren, der erkannte, dass nicht die Beugesehne, sondern die oberhalb der Beugesehne gelegene Fascienschicht erkrankt.

Können bei der Dupuytren’sche Krankheit auch mehrere Finger erkranken ?
Ja! Dies ist leider recht häufig der Fall. Ebenso können auch beide Hände erkranken.

Gibt es die Dupuytren’sche Krankheit nur an der Hohlhand ?
Nein! Eine ähnliche Erkrankung – wenn auch mit anderem medizinischen Namen – gibt es an den streckseitigen Mittelgelenken (knuckle pad). Etwa 2-3 % aller Dupuytren-Patienten haben auch einen oder mehrere knuckle pads.

Gibt es eine Dupuytren’sche Krankheit auch außerhalb der Hand?
Der Dupuytren’schen Kontraktur vergleichbare Fascienwucherungen gibt es: unter dem Fuß(Morbus Ledderhose), am Penis (Induratio penis plastica)

Was geschieht bei der Operation ?
Das krankhaft veränderte Fasciengewebe der Hohlhand und der betroffenen Finger wird möglichst vollständig entfernt.
In fortgeschrittenen Fällen ist auch die Haut verkürzt. Eine Hautverlängerung muss dann mit Hautplastiken (d.h. Umformungen der noch vorhandenen Haut) oder auch durch Hautverpflanzungen vorgenommen werden.
Gerade in fortgeschrittenen Fällen oder bei lange bestehenden Gelenkkrümmungen ist es oft notwendig, die geschrumpften Bandstrukturen eines Gelenkes zu lösen.
In sehr einfachen Fällen dauert der Eingriff weniger als eine Stunde; in weit fortgeschrittenen Fällen sind oft viele Stunden Operationszeit notwendig.

Ist auch eine Operation noch in weit fortgeschrittenen Fällen möglich ?
Eine Operation ist zwar auch in den Spätstadien möglich, sinnvoll ist es jedoch, die Operation nach Einsetzen der ersten Streckbehinderung (circa 20°) zu erwägen.
Bedenken Sie bitte: Auch wenn bei ersten Krankheitszeichen in der Regel eine Operation nicht sinnvoll ist, so sollten nicht zu lange warten.

Wo liegen die Probleme bei einer Operation im Spätstadium?
In Stadium IV ist eine Operation äußerst langwierig und auch komplikationsträchtiger. Man darf in diesem Stadium nicht mehr mit voller Streckung der betroffenen Finger nach der Operation rechnen! Auch dauert die Nachbehandlung wesentlich länger als bei einer zeitgerecht durchgeführten Operation.

Welche Betäubung ist für den Eingriff notwendig?
Wir führen den Eingriff in Vollnarkose durch. Es ist dadurch möglich, den Arm problemlos zu lagern. Der Patient spürt von der ganzen Operation nichts. Durch die neuen Medikamente sind die bekannten Folgen einer Vollnarkose wie Übelkeit und Erbrechen deutlich verringert worden.

Welche Risiken hat die Operation?
An dieser Stelle können nur einige Risiken exemplarisch genannt werden. Individuelle Risiken sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.
Keine Operation ohne Risiko! Allerdings sei vorausgeschickt, dass die überwiegende Zahl der hier an dieser Erkrankung operierten Patienten den Eingriff ohne Komplikationen übersteht, und dass sich auch der gewünschte Erfolg einstellt.

  • Dennoch kann es in Ausnahmefällen zu Störungen der Wundheilung oder zu einer schlechteren Bewegung in der ganzen Hand kommen.
  • Auch sind wie bei jeder Operation Infektionen möglich, die zu unterschiedlich langen Verzögerungen des Heilverlaufes führen und manchmal eine Revisionsoperation erforderlich machen.
  • Bei Hautlappenplastiken können Durchblutungsstörungen in den Hautlappen ebenfalls die Wundheilung verzögern. Bei Hauttransplantaten wachsen diese manchmal nicht oder nur teilweise ein.

Die meisten dieser Komplikationen verzögern zwar den Heilverlauf, ein gutes Endergebnis ist bei richtiger Nachsorge jedoch auch hierbei in den meisten Fällen möglich.

  • Es sind auch Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen möglich. Eine solche Verletzung ist keine leichte Sache. Diese Komplikation kommt jedoch nur sehr selten vor; außerdem kann jeder im Gebiet der Handchirurgie spezialisierte Arzt einen verletzten Nerven oder eine verletzte Fingerarterie mikrochirurgisch rekonstruieren. Allerdings bleiben auch nach einer solchen Rekonstruktion Defizite in der Nervenfunktion.
  • Sehr selten ist auch eine Störung der Feindurchblutung der Hand. Hierdurch können einmal schwerwiegende Bewegungsstörungen, Schmerzen und Schwellungen der Hand zustande kommen (Sudeck`sche Krankheit).
  • In extrem seltenen Fällen kann auch einmal ein Finger absterben. Allerdings haben wir diese Kompikation bei uns erfreulicherweise noch kein einziges Mal beobachtet.

Ist eine Operation auch bei Einnahme eines blutverdünnenden Medikamentes möglich?
Viele Menschen nehmen aus den unterschiedlichsten Gründen Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen. Die bekanntesten sind wohl Marcumar, Aspirin, ASS100, Plavix usw. Alle diese Medikamente dürfen 7-10 Tage vor jeder geplanten Handoperation nicht mehr eingenommen werden.
Wichtig: Setzen Sie diese Medikamente jedoch niemals ab, ohne dies mit Ihrem behandelnden Arzt zu besprechen! Manchmal ist es erforderlich, dass während der Einnahmepause ?Heparinspritzen? als Ersatz gespritzt werden müssen.

Wann sollte die Operation einer Dupuytren’schen Erkrankung nicht vorgenommen werden?
In folgenden Situationen sollte nicht operiert werden:

  • Klinisch erkennbare Durchblutungsstörungen der Finger
  • Erkennbar mangelnde Fähigkeit des Patienten zur anhaltenden Mitarbeit in der Nachbehandlungsphase
  • unbehandeltes Ekzem oder infizierte Wunde im Op-Gebiet
  • induriertes Handödem (selten)
  • schwerwiegende Allgemeinerkrankungen, die ein nicht vertretbares Narkose- und Operationsrisiko haben. (z.B. wenige Monate zurückliegender Herzinfarkt)

Kann bei beidseitigem Vorhandensein einer Dupuytren´schen Krankheit auf beiden Seiten operiert werden?
Nein! Grundsätzlich sollte ein planbarer Eingriff an der Hand nur immer auf einer Seite vorgenommen werden. Die Operation an der zweiten Hand sollte auch immer mit genügendem Zeitabstand zum Ersteingriff vorgenommen werden. Das heißt die volle Belastbarkeit der zuerst operierten Hand muss vollständig wiederhergestellt sein.

Was ist bei der Nachbehandlung zu beachten?
Die Nachsorge ist nach der Operation einer Dupuytren`schen Erkrankung sehr wichtig und wird durch den Operateur vorgenommen.

Wie lange müssen Verbände getragen werden?
Wir stellen nach der Operation die Hand im Handgelenk mittels Gipsschiene für einige Tage ruhig. Hierbei sind die Finger aber in allen Gelenken beweglich.

Wann werden die Fäden entfernt?
Meist um den 12.-14. Tag nach der Operation.

Ist eine krankengymnastische Übungsbehandlung erforderlich?
Jeder Patient sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt seine Finger so früh wie möglich eigentätig und ohne Belastung bewegen. Viele Patienten machen dies so gut, dass bereits in der 3. Woche der Faustschluss und auch die Streckung der Finger vollständig sind. Solche Patienten benötigen keine fremde Hilfe durch einen Krankengymnasten.
Wenn sich ein Patient jedoch bei den eigentätigen Bewegungsübungen schwer tut und die Beweglichkeit unter Durchschnitt bleibt, ist eine Krankengymnastik sehr sinnvoll. Bei Schwellungen wird eventuell sogar Lymphdrainage0 und Ergotherapie verordnet.

Was ist für den Patienten bei der Krankengymnastik wichtig?
Wichtig ist, dass die Krankengymnastik nie zu Schmerzen und Schwellungen in der Hand führt! Eine zu hart vorgenommen Übungsbehandlung ist kontraproduktiv.

Wann kann die Hand wieder normal belastet werden?
Die operierte Hand sollte schrittweise über viele Wochen wieder an die normale alltägliche – für sie gewohnte Belastung – herangeführt werden. Gehen Sie hier zu forsch vor, wird die Hand schmerzen und anschwellen.
Alltägliche und berufliche Belastungen können meist nach rund 6 Wochen wieder gut durchgeführt werden. Extreme Belastungen – wie z.B. beim Tennis – sollten rund 10 – 12 Wochen gemieden werden.

Was kann man selbst zur Nachsorge beitragen?
Empfehlenswert ist es, die operierte Hand in den ersten Monaten mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme einzureiben. Nach Entfernen der Fäden sind Handbäder in lauwarmem Wasser sinnvoll. (Dem Wasser kann man etwas Kamillosan oder Kernseife zusetzen)
Halten Sie die Hand jedoch nicht zu lange im Wasser, sonst weicht die Haut zu sehr auf.
5 x 5 Minuten pro Tag haben sich hier sehr bewährt. Führen Sie diese Übung so lange durch, bis die volle Beweglichkeit erreicht ist. Nach jedem Bad Hand eincremen nicht vergessen!

Sind die Narben sehr auffällig?
Die meisten Narben in der Hand sind nach 12 – 18 Monaten abgeblasst und kaum sichtbar. Funktionell störende und vorspringende Narben sind bei richtiger Schnittführung recht selten.
Wichtig ist jedoch: Narben im Bereich der Hand sind in den ersten Wochen und Monaten sehr unangenehm empfindlich. In diesem Zeitraum sind die Narben meist auch etwas wulstig und rötlich aussehend. Bis dies abklingt vergehen circa 6 Monate!

Kann die Erkrankung nach einer Operation erneut auftreten?
Ja! Man muss allerdings unterscheiden zwischen einer Neuerkrankung und einem echten erneutem Auftreten der Erkrankung im Operationsgebiet.
Eine Neuerkrankung liegt beispielsweise vor, wenn der Kleinfinger operiert wurde und nun an der gleichen Hand der Mittelfinger erkrankt. Würde in diesem Beispiel die Erkrankung am Kleinfinger erneut auftreten, so spricht man von einem Rezidiv.
Die Rezidivhäufigkeit ist generell bei Operation an den Fingern deutlich häufiger als in der Handfläche.
Jeder Betroffene sollte wissen, dass bei der Operation zwar das erkrankte  Gewebe entfernt werden kann; es aber unmöglich ist, die tiefere Ursache der Erkrankung – die genetische Disposition – zu ändern.
Rezidive treten individuell sehr unterschiedlich häufig auf. Woran liegt dies? Die Wahrscheinlichkeit an einem Rezidiv zu erkranken ist dann besonders groß, wenn eine oder mehrere der unten genannten Faktoren zutreffen:

  • Ein Verwandter I. Grades leidet auch an Morbus Dupuytren
  • Die Erkrankung findet sich auch an Füßen, Penis oder über den Mittelgelenken
  • Die Krankheit trat erstmals vor dem 40. Lebensjahr auf
  • Die Erkrankung betrifft auch Daumen und Zeigefinger
Powered by WordPress