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Ganglion


Unter einem Ganglion (auch Überbein genannt) versteht man eine ballonartige Zyste, die meist Verbindung mit einem Gelenk oder einer Sehnenscheide hat. Hierbei kann man sich die Zyste ähnlich wie einen Luftballon vorstellen. Das Mundstück des Luftballon steht mit der kranken Stelle im Gelenk oder in der Sehnenscheide in Verbindung. An der kranken Stelle wird verstärkt Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) produziert. Diese Gelenkschmiere wandert durch das Mundstück des Luftballon in den eigentlichen Ballon und dehnt diesen immer mehr auf. Man sieht und fühlt bei einem Ganglion nur einen Teil des Ballons. Dieser Ballon ist in Wirklichkeit eine sehr dünne Gewebewand. Im Inneren des Ballons liegt wie schon erwähnt die Synovialflüssigkeit.

Kommen Ganglien häufig vor?
Ja. Rund die Hälfte aller tumorartigen Schwellungen im Bereich der Hand sind Ganglien. Sie können an sehr unterschiedlichen Stellen auftreten. Am häufigsten sind sie auf der Rückseite (Streckseite) des Handgelenkes lokalisiert. Die zweithäufigste Stelle liegt auf der Beugeseite des Handgelenkes und hier genau dort, wo man den Puls tastet.
Ganglien können aber auch an den Fingern vorkommen. Sie gehen hier auf der Greifseite der Finger vom Haltesystem der Beugesehnen aus. Diese Ganglien nennt man in der Medizin Ringbandganglien.

Können Ganglien bösartig entarten?
Nein! Bei Ganglien handelt es sich nie um bösartige Tumoren.

Muss jedes Ganglion behandelt werden?
Nein! Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Entstehung eines Ganglions sollte der weitere natürliche Verlauf der Erkrankung abgewartet werden. Jeder Betroffene sollte wissen, dass sich etwa jedes zweite Ganglion zurückbildet. Bei Kindern ist diese Rückbildungsquote der Ganglien noch wesentlich höher.
Bedenkt man nun, dass Ganglien nach jeder Form der Therapie auch wieder auftreten können, so ist es durchaus empfehlenswert, in der Anfangszeit der Ganglionentstehung zunächst den Spontanverlauf der Erkrankung für etliche Monate abzuwarten. Allerdings gibt es von dieser Empfehlung auch Ausnahmen: So muss z.B. ein Ganglion, das einen stärkeren Nervendruck verursacht, im Interesse des Nerven möglichst bald entfernt werden.
Allerdings sollte zur Stellung der sicheren Diagnose stets ein Arzt aufgesucht werden; denn hinter einer Schwellung am Handgelenk kann sich auch einmal ein bösartiger Tumor verbergen!

Wie stellt der Arzt fest, dass ein Ganglion vorliegt?
In der großen Mehrzahl der Fälle reicht eine einfache Tastuntersuchung aus, um die Diagnose zu stellen.
Bei Ganglien am Handgelenk wird häufig eine Röntgenaufnahme zusätzlich angefertigt, um begleitende Schäden am Skelettsystem des Handgelenkes zu entdecken. In Einzelfällen (besonders bei äußerlich nicht oder schwer sichtbaren Ganglien) ist eine Ultraschalluntersuchung hilfreich.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es außer der operativen Entfernung?
An dieser Stelle möchte ich Sie davor warnen, mit irgendeinem Gegenstand auf das Ganglion zu schlagen!!!
Immer wieder erhalten von einem Ganglion Betroffene von Bekannten den Rat, sie sollten doch mit einer Bibel oder einem Hammer auf das Ganglion schlagen. Wir möchten Sie bitten, diesen gut gemeinten Rat nicht zu befolgen. In der handchirurgischen Literatur sind als Folge solcher Maßnahmen u. a. Brüche beschrieben worden.
Eine wesentlich vernünftigere nicht operative Therapie ist hingegen die Punktion des Ganglions durch den Arzt. Auch wenn diese Maßnahme nur in einer relativ kleinen Zahl der Betroffenen zum dauerhaften Erfolg führt, so kann diese Maßnahme vor der Erwägung einer Operation durchaus sinnvoll sein, da die Punktion wesentlich weniger belastend ist als eine operative Entfernung. Punktionen bei Ganglien in der Verlaufsstrecke der Speichenschlagader -also dort wo der Puls getastet wird- sind hingegen sehr problematisch, da hier die Arterie nicht gesehen werden kann.

Wann sollte eine operative Behandlung erwogen werden?
Wir empfehlen eine operative Behandlung für die überwiegende Zahl der Ganglien, wenn diese über einen Zeitraum von vielen Monaten bestehen und keine Rückbildungstendenzen zeigen. Weiterhin ist es sinnvoll, Ganglien zu entfernen, wenn sie sehr groß sind, optisch stören oder wenn sie Ursache von Schmerzen oder von Nervendruck sind.

Kann die Entfernung von Ganglien ambulant vorgenommen werden?
Ja, dies ist vielfach möglich.

Welche Risiken hat die operative Behandlung?
Keine Operation ohne Risiken! Dies gilt auch für einen so vermeintlich einfachen Eingriff wie die Ganglionentfernung. Es sei an dieser Stelle betont, dass manche Ganglien keineswegs einfach einmal so zu entfernen sind. Dies gilt ganz besonders (aber nicht nur) für die Ganglien, die in der Verlaufsstrecke der Speichenschlagader liegen.
Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Wundheilungsstörungen und die Infektion. Hierbei kann die Infektion sowohl an der Oberfläche liegen, aber auch, was allerdings sehr selten ist, die tiefen Strukturen (z.B. ein Gelenk) betreffen. Gerade tiefe Infektionen machen neben der Behandlung mit einem Antibiotikum auch oft Nachoperationen erforderlich
  • Des weiteren können Einschränkungen der Beweglichkeit zurückbleiben. Bei Ganglien in der Nähe einer Schlagader oder eines Nervs ist es auch nicht ausgeschlossen, dass die Schlagader oder der Nerv durch die Operation beschädigt wird. Diese gravierenden Risiken treten nur ausgesprochen selten auf.
  • Als letztes bedarf das Risiko der Entwicklung einer Sudeck`schen Krankheit Erwähnung. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine schmerzhafte Schwellung und Bewegungseinschränkung der gesamten Hand, die theoretisch nach jeder Verletzung oder Operation an der Hand auftreten kann und deren Ursache noch nicht vollständig bekannt ist.

Was wird bei der Operation gemacht?
Bei der Operation wird das Ganglion entfernt, der Stiel des Ganglions (im obigen Vergleich das Mundstück des Luftballons) wird hierbei freigelegt.

Welche Narkose kommt bei der Operation zur Anwendung?
Wir führen den Eingriff in einer so genannten iv.-Regionalanästhesie durch. Der Narkosearzt legt eine Blutdruckmanschette an den Arm an, diese wird gefüllt. In eine Vene des Unterarms wird dann ein lokales Betäubungsmittel injiziert. Dies führt dazu, dass der Unterarm ab der Blutdruckmanschette schmerzfrei wird. Störend kann manchmal der Druck der Blutdruckmanschette sein, bei kurzen Eingriffen wird dies aber in der Regel problemlos toleriert. Auf Wunsch kann auch zusätzlich ein leichtes Schlafmittel gegeben werden oder auch eine Vollnarkose durchgeführt werden.

Ist die Operationsnarbe sehr auffallend?
Die meisten Operationsnarben nach einer Ganglionoperation sind nach ein bis zwei Jahren relativ unauffällig und abgeblasst. Gerade in Gelenknähe kann jedoch eine Narbe auch einmal eine längere Zeit gerötet und verbreitert sein sowie umschrieben schmerzhaft.
Zur Lage und zum ungefähren Verlauf der Narbe sollten Sie vor der Operation Ihren behandelnden Arzt fragen.

Was ist in der Nachsorgephase zu beachten?
Je nach Größe des Ganglions wird das Handgelenk für maximal eine Woche in einer Gipsschiene ruhig gestellt. Die Fäden werden nach 10-14 Tagen entfernt.
Nach Entfernen der Gipsschiene darf und muss das Handgelenk eigentätig bewegt werden.

Kann die Hand nach der Operation sofort belastet werden ?
In den ersten 3 Wochen nach der Operation ist es sehr sinnvoll, das Handgelenk noch nicht voll zu belasten, um die Gefahr eines neu auftretenden Ganglions soweit wie möglich zu verringern. Eine zu frühe Belastung führt auch zu Schwellungen und Schmerzen!

Ist in der Nachsorge eine krankengymnastische Übungsbehandlung notwendig?
Dies ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Viele Patienten setzen bereits kurz nach der Gipsabnahme ihre Hand sehr gut ein. Für diese Menschen ist der persönliche und berufliche Alltag die beste Krankengymnastik.
Wir empfehlen diese eigentätige Krankengymnastik noch durch regelmäßige Handbäder in lauwarmem Wasser (5 x 5 Minuten täglich) für einige Wochen zu unterstützen. Empfehlenswert ist es auch, die Operationsnarbe in den ersten Monaten mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme einzureiben.
Bei einem operierten Patienten, dessen Bewegungsumfang hinter den durchschnittlichen Erfahrungswerten zurückbleibt, sollte jedoch frühzeitig mit einer Krankengymnastik begonnen werden.

Was ist für den Patienten bei der Krankengymnastik wichtig?
Wichtig ist dass die Krankengymnastik nie zu Schmerzen und Schwellungen in der Hand führt!
Eine zu hart vorgenommen Übungsbehandlung ist kontraproduktiv. Wenn ein Krankengymnast hier auf die individuellen Besonderheiten des Patienten nicht einzugehen vermag, ist es sinnvoll den Krankengymnasten zu wechseln!

Können Ganglien erneut auftreten?
Ja. Die Angaben der wissenschaftlichen handchirurgischen Literatur schwanken hierzu sehr stark. Die Rezidiv-Quote (wiederkehrendes Ganglion an gleicher Stelle) dürfte etwa 20 % betragen.

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