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Schnellender Finger


Was ist ein schnellender Finger bzw. schnellender Daumen?
Bei diesem Krankheitsbild kommt es bei dem Versuch, einen Finger oder den Daumen zu strecken, häufig zu einem plötzlichen Rucken des Fingers bzw. des Daumens.
Nach einem anfänglichen Festhaken springt der Finger dann förmlich in die Streckposition. Dieses Symptom ist besonders morgens oder nach längerer Ruhe der Hand vorhanden. In einigen Fällen besteht bei diesem Krankheitsbild allerdings kein klassisches Schnappen:
Hier leiden die Betroffenen an ausgeprägten Schmerzen beim Faustschluss oder auch beim Strecken der Finger. Auch dieses Symptom ist besonders morgens sehr ausgeprägt. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten die Faust vollständig zu schließen oder die Finger voll zu strecken. Die ganze Hand fühlt sich besonders morgens steif an.

Anatomische Grundlage der Erkrankung:
An den Fingern und am Daumen gibt es kleine Ringe, durch die die Beugesehnen verlaufen. Der Arzt spricht hier von Ringbändern, die mit den Kürzeln A1 – A5 bezeichnet werden. Bitte vergleichen Sie die Abbildung unten.
Werden diese tunnelartigen Gebilde zu eng, oder bilden sich knotenartige Auftreibungen der Beugesehen, so können die Beugesehnen nicht mehr ungehindert gleiten. Es kommt zu Blockierungen, die sich durch Kraftanstrengung ruckartig lösen (Schnappen oder Schnellen des Fingers bzw. des Daumens).
Beachten Sie bitte: die knotenartige Verdickung der Beugesehne liegt bei gebeugtem Finger vor dem A1-Ringband. Ein Gleiten der Sehne ohne Widerstand in das Ringband ist nicht mehr möglich! In aller Regel ist das A1 Ringband verengt.

Wie entsteht dieses Krankheitsbild ?
Oft berichten die Betroffenen, dass dem Schnappen eine ungewohnte Anstrengung vorausgegangen sei (z.B. Gartenarbeiten, langes Tragen). Bei diesen -oft ungewohnten- Tätigkeiten wird Druck auf die Region der A1-Ringbänder ausgeübt. Liegt gleichzeitig eine degenerative Veränderung vor, so quillt das Sehnengleitgewebe im Bereich des A1-Ringbandes auf und die Beugesehne passt plötzlich nicht mehr widerstandsfrei durch das A1-Ringband. Das Krankheitsbild wird daher auch vom Arzt als Sehnenengpass-Syndrom oder als Tendovaginitis stenosans bezeichnet.

Können auch mehrere Finger von dieser Erkrankung betroffen sein ?
Ja ! Leider ist dies keineswegs selten. Es können sowohl gleichzeitig mehrere Finger betroffen sein, als auch später ein weiterer Finger erkranken. Relativ häufig leiden Menschen, die an einem schnellenden Finger (Daumen) erkranken, gleichzeitig oder später auch an einem Karpaltunnelsyndrom (Nerveneinklemmung).

Können auch Kinder betroffen sein ?
Bei Kleinkindern gibt es eine ähnliche Erkrankung, die fast immer den Daumen betrifft. Die meisten Kinder halten den Daumen im Endgelenk gebeugt (ein Schnappen ist eher selten) .

Muss ein solcher schnellender Finger immer operiert werden ?
Nein. In den ersten Wochen oder sogar Monaten kann der betreffende Finger mit Salben, eventuell auch mit Injektionen, behandelt werden. Erst wenn diese Maßnahmen versagen, ist eine Operation notwendig.

Welches Medikament wird injiziert?
Am weitesten verbreitet ist die Injektion einer geringen Cortison-Dosis an das A1-Ringband des betroffenen Fingers.

Ist die Injektion nicht stets besser als eine Operation ?
Auch die Injektion ist nicht risikolos! Auch wenn Infektionen oder Schäden an den Beugesehnen selten sind. Ob im Einzelfall eine Injektion oder eine Operation der bessere Weg ist, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden.

Gibt es noch andere Möglichkeiten außer Operation oder Cortison?
Ja. Gerade wenn das Krankheitsbild noch nicht lange besteht, bewährt es sich, regelmäßig – d.h. circa 5 x 5 Minuten täglich – im lauwarmen Wasserbad die Hand zu bewegen. Fügen Sie dem Wasser ruhig etwas Kernseife hinzu. Bitte machen Sie hier nicht den Fehler, im Wasser einen harten Gegenstand – etwa einen Tennisball – zu drücken. Dies würde die Krankheit durch Druck auf die A1- Ringbänder eher verstärken!

Wird die Operation ambulant durchgeführt ?
In aller Regel ja. Nur bei problematischen Allgemeinerkrankungen oder wenn eine stärkere Schwellung nach der Operation zu erwarten ist, ist ein kurzer stationärer Aufenthalt zu erwägen.

Welche Betäubung ist notwendig ?
Wir führen den Eingriff in einer so genannten iv.-Regionalanästhesie durch. Der Narkosearzt legt eine Blutdruckmanschette an den Arm an, diese wird gefüllt. In eine Vene des Unterarms wird dann ein lokales Betäubungsmittel injiziert. Dies führt dazu, dass der Unterarm ab der Blutdruckmanschette schmerzfrei wird. Störend kann manchmal der Druck der Blutdruckmanschette sein, bei kurzen Eingriffen wird dies aber in der Regel problemlos toleriert. Auf Wunsch kann auch zusätzlich ein leichtes Schlafmittel gegeben werden.

Wo wird bei der Operation der Schnitt gemacht ?
Der Schnitt wird in der Hohlhand über dem A1-Ringbandes gemacht. Dort liegt auch bei äußerem Druck die stärkste Zone des Schmerzes.

Was wird bei der Operation prinzipiell gemacht ?
Bei der Operation wird das A1-Ringband gespalten. Der knotenartig verdickte Sehnenteil kann dann nach der Operation wieder normal gleiten.
In fortgeschrittenen Fällen ist oft noch eine Entfernung des entzündeten Sehnengleitgewebes erforderlich sowie die Lösung von Sehnenverwachsungen.

Welche Komplikationen hat der Eingriff ?
In der Mehrzahl der Fälle ist der Eingriff relativ klein und komplikationsarm.
Dennoch gilt: Keine Operation ohne Komplikationsmöglichkeit.
Gerade am Daumen gibt es die Gefahr, dass einer der beiden Daumennerven verletzt werden kann. Dies führt dann nicht nur zu einem Taubheitsgefühl auf einer Hälfte des Daumens, sondern häufig auch an der Verletzungsstelle zu unangenehmen elektrisierenden Schmerzen.
Besteht die Krankheit schon lange, oder war die Enge des Sehnenkanals sehr extrem ausgeprägt, so verbleibt oft eine leichte Behinderung der Streckfähigkeit im Mittelgelenk des betroffenen Fingers. Diese Streckminderung bessert sich jedoch meist im Laufe einiger Monate.
Sehr selten kommen auch einmal schwerwiegende Infektionen oder gravierende Bewegungsstörungen vor.
Auch bei der kleinen Narbe, die dieser Eingriff hinterlässt, sollten Sie bedenken, dass Narben in der Hand länger empfindlich sind als an anderen Körperstellen.

Wie lange muss ein Verband nach der Operation getragen werden ?
Wir legen nach der Operation für 1-2 Tage einen gut gepolsterten Verband an, der die Beweglichkeit der Finger voll erlaubt. Der Patient sollte in dieser Zeit eigentätig bewegen ohne zu belasten.

Wann werden die Fäden entfernt ?
Etwa um den 8.-10. Tag nach der Operation, wenn die Wundheilung regelrecht verläuft. Empfehlenswert ist es ferner, die operierte Hand in den ersten Monaten mehrmals täglich mit einer fetthaltigen Creme einzureiben.

Wer führt die Nachbehandlung durch ?
In der Regel der operierende Arzt.

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